Wir mögen beide keinen Schnaps

 

6e57c00b83a8a2386bda8be780836102

Wie Feuer läuft mir der Schnaps die Speiseröhre runter. Die Flasche ist halb leer und steht zwischen uns auf dem Tisch. Die Uhr zeigt 1.35Uhr an und langsam frag ich mich, was wir hier eigentlich machen. Wir sind irgendwie stecken geblieben zwischen philosophischen Diskursen, flachen Witzen, hypothetischen Fragen und Rumgedruckse, warum man zu faul ist nach Hause zu laufen.

Ich werd auch langsam müde und meine Augen werden schwer. Ich glaub wir mögen beide gar keinen Schnaps. Und damit meine ich die Flasche Schnaps zwischen uns und den metaphorischen Schnaps zwischen uns.

Beides brennt in der Kehle und lässt deinen Kopf leicht werden und die Wahrheit sagen. Man sagt doch immer das Betrunkene die Wahrheit sagen, oder? Und Wahrheit…das wissen wir beide ist manchmal unangenehm zu sagen. Also trinken wir.

Wahrheit brennt manchmal Dinge weg, gut und schlecht und während es brennt und brennt, trinken und trinken wir weiter und reden und reden. Nur damit wir nicht schweigen müssen.

Da steht was zwischen uns, wie die Flasche Schnaps und brennt sich den Weg die Kehle runter.

Ich glaub löschen kann, dieses Brennen nur die Wahrheit.

Also sag ich es. Ich räume die Flasche ab.

Zack.

Du schaust mich an und wir fühlen beide, dass fühlt sich jetzt irgendwie scheiße an.

Aber ich kanns nicht ändern. Das ist die Wahrheit.

Manche Dinge sind einfach so blöd kompliziert und das liegt daran, dass der Mensch einfach ein verdammt kompliziertes Wesen ist. Und genau das macht das Leben so wundervoll und zerbrechlich, süß und zugleich bitter. Bittersüß!

Ich rolle das Schnapsglas mit meinen Fingern hin und her und schmecke Anis auf meinen Lippen.

Das ist aber wirklich unser letzter Schnaps, den wir zusammen trinken.

Da sind wir uns zum letzten Mal sicher.

Das wissen wir beide.

Wir mögen ja beide eh keinen Schnaps.

Das wissen wir beide.

Und trotzdem schmeckt Anis ab jetzt für mich süß und bitter. Bittersüß.

Dir gehts ähnlich. Und irgendwie wirkt der Weg nach Hause, wie der Sprung ins kalte Wasser, das Pflaster was man abzieht.

Ein Stechen, ein spitzer Schmerz und dann ist es vorbei.

Wir gehen zur Tür.

Anis.

Und als die Tür ins Schloss fällt, sind wir beide schon zehn Meter in unterschiedliche Richtungen gelaufen.

Und ich spüre deinen Blick über die Schulter in meinem Nacken, aber ich dreh mich nicht um. Es ist paradox, wir mögen doch beide keinen Schnaps.

Aber Anis schmeckt bittersüß.

Bittersüß wie du.

 

Disclaimer (Weil es ja viel cooler auf Englisch ist.)

This text is or can be inspired by certain actual events. Some of the names and situations have changed and some of the events, dialogues and chronology have been fictionalised for artistic purposes.

 

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s